Am Tisch

von Pauline Dreyer
Projektentwicklung
Studiengang: Design & Leadership
Dozent/in: Prof. Martin Rendel, Prof. Dr. Bärbel Kühne
eine Person sitzt an einem Tisch. man sieht nur die Beine und einen Teil des Rumpfes

In Marina Abramović‘ Perfomance-Art-Stück „The Artist is present“ sitzt sie 2010 insgesamt 736 Stunden an einem Tisch im New Yorker Museum of Modern Art. 1675 Personen nehmen ihr gegenüber Platz. Schweigend halten sie Blickkontakt. So lange, bis ihr Gegenüber beschließt aufzustehen und die Situation zu verlassen. Es ereignet sich ein banaler, wie bedeutungsvoller Zustand, der diese Arbeit maßgeblich inspiriert hat: die zwischenmenschliche Nähe an einem Tisch, die stille Übereinkunft, am Tisch miteinander zu interagieren. Theoretisch wie praktisch nähert sich dieses Projekt ebendieser Wirkung des Tischs auf den Dialog an. Sie zeigt die feinen Nuancen des „Dazwischen“ auf: den Tisch als Grenze, Brücke, Verbindungsstück – als Ort, vielleicht sogar Symbol des Dialogs. Die dabei wichtigste Erkenntnis: Ja, der Tisch ist vielschichtig und multifunktional. Aber – es sind immer noch wir, die senden und empfangen. Es ist in unserer Macht Tische zu einer „intimen Öffentlichkeit“ zu machen, zu Räumen ohne Wänden, zu einem Safespace. Es sind wir, die den Dialog neu erfinden, die Interaktion neu gestalten und unser Miteinander in neue Bahnen lenken können. Wer also am Tisch Nähe aufbauen möchte, sollte sich nicht auf die Topologie des Möbelstücks fokussieren. Denn die Entscheidung, gemeinsam an einem Tisch zu sitzen, ist bereits der Beginn einer Wechselwirkung – eines nonverbalen Dialogs. Es ist die Übereinkunft, unsere Dynamik, Haltungen und Emotionen zusammenzuführen. Darauf baut das Endprodukt dieser Arbeit auf: die Konzeption des Workshop-Formats „Am Tisch“ schafft unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse den Rahmen, in verschiedenen Settings an Tischen neue Facetten zwischenmenschlicher Beziehungen kennenzulernen und ermöglicht so einen Dialog auf Augenhöhe. Denn, in seiner Multifunktionalität bringt der Tisch uns zwar dazu, aufmerksamer zu beobachten, nachsichtiger, ehrlicher und konzentrierter miteinander umzugehen – aber erst, wenn wir ihn irgendwann überwinden können, kommen wir uns näher. Und wenn wir wieder aufstehen, werden wir uns kaum an den Tisch erinnern, sondern nur an unser Gegenüber. (Fotodokumentation Pauline Dreyer, Handschriftliche Notizen der Teilnehmenden)

zwei Personen am Tisch von hinten, schauen aus dem Fenster
zwei Männer an einem Tisch, einer lächelt, den anderen sieht mab von hinten
ein Tisch voller Stifte und Flaschen, sw Foto
eine Person sitzt an einem Tisch. man sieht nur die Beine und einen Teil des Rumpfes

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