Formen des Zufalls oder ‚Den Zufall formen‘

von Clara Udich
Designprozesse
Studiengang: Design & Leadership
Dozent/in: Prof. Dr. Bärbel Kühne und Prof. Martina Wetzel

Zufall erleben wir tagtäglich – bewusst oder unterbewusst. Manche sehen den Zufall als Schicksal, Bestimmung und andere wiederum als logisches Konstrukt. Gibt es Zufall oder gibt es ihn nicht? Wie nehmen wir ihn wahr und inwiefern können wir auf ihn einwirken? Derzeit sind die Themen ‚Persönlichkeitsentwicklung‘ und ‚Spiritualität‘ hochaktuell. Oftmals haben wir das Gefühl, das Glück oder Pech förmlich ‚anzuziehen‘. Es gibt mittlerweile immer mehr Untersuchungen und Studien dazu, wie wir kraft unserer Gedanken auch unsere Realität beeinflussen können. Das ‚Gesetz der Anziehung‘ besagt, dass wir das in unser Leben ziehen, was wir energetisch aussenden. Mittels Meditation und Co. können wir unser Traumleben sogar aktiv ‚manifestieren‘. Auch an mir ging diese interessante Thematik nicht vorbei und ich frage mich: Formt der Zufall unser Leben oder ‚formen‘ (beeinflussen) wir den Zufall? Für die Analyse dieser Fragestellung untersuchte ich einerseits meine persönlichen Zufallsmomente und wie ich den Zufall erlebe (‚innerer Zufall‘) in Abhängigkeit von meiner individuellen mentalen Einstellung. Andererseits betrachtete ich auch die Definition von Zufall von anderen Menschen (‚äußerer Zufall‘). Letztendlich ließ ich den Zufall für mich gestalten, indem ich mit der App „BeReal“ in zufällig auserwählten Momenten ein Foto von mir und meiner Umgebung machte beziehungsweise Plakate mit der Frage ‚Was ist Zufall für dich?‘ aushing, die von verschiedenen Personen beschriftet wurden. Demnach gab ich die Kontrolle über ein ästhetisch gestaltetes Endergebnis ab und ließ die Formen des Zufalls mein Endergebnis bestimmen. Die Untersuchung des Zufalls hat mir gezeigt, wie unwillkürlich alles ist und dass sich doch weniger kontrollieren lässt, als wir denken oder hoffen. Zwar können wir organisieren, analysieren, planen – doch am Ende wissen wir nie, wie der Zufall so spielt. Wieso dann nicht gelassen mit den eintretenden Ereignissen umgehen? Den Zufall müssen wir nicht zwangsläufig verstehen, vielmehr sollten wir uns hingeben, treiben lassen und überlegen, wie wir auf den Zufall reagieren wollen. Den Zufall als negativ betiteln und ihn vermeiden oder wegrationalisieren ist nicht wirklich förderlich. Betrachten wir den Zufall als etwas Gutes, dürfen wir wertschätzen, dass er uns dorthin gebracht hat, wo wir heute sind. Dank des Zufalls glauben wir vielleicht auch ein wenig an Schicksal, an etwas Höheres, was das Leben eigentlich so besonders macht. Alles, was es dazu braucht, ist eine positive Einstellung des Betrachters.

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